Grundzüge der allgemeinen Eröffnungslehre
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Schacheröffnungen
Eröffnungsfallen
- In der Eröffnung besteht die Rolle des Schwarzen darin, seinen geringen Ausgangsnachteil allmählich zu überwinden und Ausgleich zu erzielen. Bei bestem Spiel des Weißen kann Schwarz nur mit Hilfe einer Reihe von ruhigen, soliden Zügen zum Gleichstand kommen. Versucht Schwarz verfrüht die Initiative zu ergreifen, riskiert er, wegen der besseren Ausgangsposition des Weißen in Nachteil zu kommen.
Um in der Eröffnung die Führung übernehmen zu können, muss Schwarz normalerweise einige Gefahren auf sich nehmen und gewisse Schwächen in seiner Stellung zulassen. In solchen Fällen muss Weiß die von Schwarz in Kauf genommenen Schwächen aufspüren und den besten Weg finden, sie auszunützen.
Max Euwe
Schachweltmeister 1935-1937
1901 - 1981
- Hinter der Sizilianischen Verteidigung scheinen sich geheimnisvolle Ideen zu verbergen; in Wirklichkeit sind sie jedoch deutlich umrissen. Schwarz geht auf wenig ins Auge fallende, aber nichtsdestoweniger wirksame Vorteile am Damenflügel aus.
Zuerst öffnet er die c-Linie, dann sucht er gewöhnlich auf dieser halboffenen Linie Druck mit Dame und einem der Türme auszuüben. Oft bringt er den Springer b8 über c6 nach a5, um auf den Punkt c4 zu drücken oder ihn zu besetzen. In der Drachenvariante des Sizilianers flankiert er den Läufer f8 nach g7, wo er entlang der ganzen Diagonalen drückt und besonders stark ist, weil er gegen die Punkte a1, b2 und c3 wirkt.
Diese Strategie ist so tief, dass sie oft den Zusammenbruch der weißen Damenseite zustande bringt, ohne dass Weiß etwas dagegen zu tun vermag und obwohl er genau weiß, was sich ereignet.
Max Euwe
Schachweltmeister 1935-1937
1901 - 1981
- Im allgemeinen bedeutet ein "Loch" eine ernsthafte Schwäche, weil es der gegnerischen Seite gestattet, dort Figuren zu postieren. In der in den vierziger Jahren entwickelten Boleslavsky-Variante der Sizilianischen Verteidigung verschafft sich Schwarz mit Vorbedacht ein Loch, weil er weiß, dass er entweder in der Lage sein wird, es zu seinem Vorteil aufzulösen oder an der anderer Stelle Gegenwerte einzutauschen.
Max Euwe
Schachweltmeister 1935-1937
1901 - 1981
- Man beachte ..., dass man gegen Grundsätze verstoßen kann, wenn die Berechnungen es rechtfertigen. Prinzipien dienen als Hauptstraßen, und es ist immer möglich, dass irgendeine Nebenstraße in besonderen Fällen die kürzere ist.
Max Euwe
Schachweltmeister 1935-1937
1901 - 1981
In der Anfangsposition stehen die
beiden Schacharmeen einander kampfbereit gegenüber. Weiß hat das Recht
des ersten Zuges. Wie soll man den Kampf beginnen?
"Am wichtigsten ist es, die Figuren schnell zu
entwickeln. Man
bringe sie ins Spiel, sobald es irgend geht... Es ist im allgemeinen
ratsam, den Läufer f1 nicht eher herauszubringen, als bis ein Springer,
und zwar vorzugsweise der Königsspringer, entwickelt ist...
Eine Regel, welche sich der Anfänger recht fest einprägen möge: Vor
vollendeter Entwicklung sollte keine Figur zweimal gezogen werden; es
sei denn, dass man dadurch schadlos materiellen oder taktischen Vorteil
erhalten kann...
Zur vollständigen Entwicklung werden in der Regel 8 Züge genügen (das
kann in einigen Ausnahmefällen auch 10 bis 12 Züge dauern)...
Die vier Felder e4, d4, e5, d5 bilden das Zentrum, und wer diese Felder
beherrscht, beherrscht das Zentrum. Die Beherrschung des Zentrums ist
von größter Wichtigkeit. Auch ein heftiger Angriff kann keinen Erfolg
haben, wenn man nicht zwei oder besser drei der Zentrumsfelder
beherrscht. Manches Eröffnungsmanöver hat die Beherrschung des
Zentrums zum alleinigen Ziel; denn dadurch wird die dauernde Initiative
gesichert. Hieran denke man stets; denn dies wird oft für eine ganze
Zugfolge maßgebend sein, die ohne diesen Leitgedanken sich gar nicht
recht verstehen ließe." (J.R.Capablanca).
Betrachten wir die Anfangsstellung, so sehen wir, dass von den Figuren nur die Springer sofort ziehen können. Alle anderen Figuren sind durch die eigenen Bauern in ihrer Bewegung und in ihrer Wirkungskraft behindert. Somit ist klar, dass wir zuerst Bauern ziehen müssen, damit die Figuren entwickelt werden können. Entwickeln heißt, die Steine so auf dem Schachbrett zu postieren, dass sie eine möglichst große Wirkungskraft enthalten. Es muss ein harmonischer Aufbau der Bauern und Figuren gewährleistet sein, d. h., Figuren und Bauern dürfen sich in der Entwicklung nicht gegenseitig behindern. Für den König muss ein sicherer Standort gefunden werden, damit er vor den Angriffen der gegnerischen Steine geschützt ist.
Das zweite Grundproblem der Eröffnung ist die Schnelligkeit, mit der beide Parteien ihre Steine entwickeln. Jeder überflüssige Zug gibt dem Gegner Gelegenheit, seine Entwicklung schneller zu beenden und damit die Initiative an sich zu reißen. Man läuft Gefahr, vor Beendigung der eigenen Aufstellung der Steine vom Gegner angegriffen zu werden. Eine unterentwickelte Position kann sehr oft vom Gegner zu einem durchschlagenden Mattangriff oder zum Materialgewinn ausgenutzt werden.
Noch ein wichtiges Eröffnungsgebot: Bevor ein Angriff nicht
ordnungsgemäß vorbereitet ist, sollten Sie sich nicht beeilen, die
Dame zu entwickeln (z. B. kein "Schäfermatt" anstreben). Die
Dame ist zwar eine Figur, die Angriffe einleitet, organisiert und
krönt, allein steht aber auch die Dame in der Eröffnung auf verlorenem
Posten.
Es sind Bauern und leichte Figuren (Läufer, Springer), die das Spiel
eröffnen. Dame und Türme sollen zu Beginn einer Partie besser zu Hause
bleiben.
Alle Schacheröffnungen sind in drei Hauptgruppen unterteilt:
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offene Spiele - sie werden ausnahmslos
mit 1. e4 e5 eingeleitet;
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halboffene Spiele - in ihnen
beantwortet Schwarz 1. e4 mit einem beliebigen Zug außer 1. ... e5;
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geschlossene Spiele - hier beginnt
Weiß die Partie mit einem anderen Zug als 1. e4.
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Es kommt aber öfters vor, dass offene
Stellungen aus geschlossenen Eröffnungen entstehen und umgekehrt.
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