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Wer ist stärker - der Läufer oder der
Springer? Diese Frage stellen sich Schachspieler immer wieder.
Eine leichte Figur, d.h. Läufer oder Springer, entspricht etwa drei
Bauern, also wenn die Stellung keine Besonderheit aufweist, ist der
Kampfwert der beiden Leichtfiguren, wenn sie sich einzeln
gegenüberstehen, als ungefähr gleich anzusehen.
Häufig weisen aber Stellungen Besonderheiten auf, bei denen sich die
Stärken und die Schwächen des Läufers und des Springers sogar in
partieentscheidender Weise auswirken können. Das bedeutet, dass ihr auf
dem Brett gebildeter Wert ständigen Schwankungen unterliegt.
Die Fähigkeit, die relative Stärke der Figuren während des
Kampfgeschehens richtig zu bestimmen, erfordert positionelles
Fingerspitzengefühl! Gerade in solchen Situationen ist nicht nur
logisches Denken, sondern auch ein feines ästhetisches Positionsgefühl
vonnöten.
Man tausche daher niemals unüberlegt einen Läufer gegen einer
Springer, oder umgekehrt, ab.
Die Läufer besonders stark sind, wenn ihre
Fernwirkung voll zur Geltung kommt. Der Läufer ist meistens in
Stellungen stärker, in denen die Bauern auf beiden Flügeln verschieden
verteilt sind, die Bauernformationen nicht starr, sondern beweglich sind
und die Stellungen offene Linien und Diagonalen aufweisen. Der Springer
braucht stets mehrere Züge, bis er vom einen Ende des Brettes an das
andere gelangt, während der Läufer dies mit einem Zuge vermag.
Die Stärke des Läufers zeichnet sich in einem Endspiel, in dem an
beiden Flügeln operiert wird, besonders klar ab. Hier steht der
Springer, der nur kurze Sätze vollführen kann, dem Läufer deutlich
nach. Ein guter Läufer ist folglich etwas stärker als ein Springer.
In geschlossenen Stellungen mit festgelegten
Bauernketten, noch dazu wenn die Wirksamkeit des Läufers durch eigene
Bauern eingeschränkt wird, wächst die Bedeutung des Springers.
Die Schwäche des Läufers bei starren Bauernformationen tritt vor allem
dann zutage, wenn die Bauern auf Feldern stehen, die der Felderfarbe des
Läufers entsprechen. Man kann sich als Faustregel merken, dass der
Läufer im allgemeinen gut steht, wenn die Bauern auf den seiner
Felderfarbe entgegengesetzten Feldern stehen, und dass er schlecht
steht, wenn die Stellung der Bauern der Felderfarbe des Läufers
entspricht. In solchen Fällen spricht man vom guten oder schlechten
Läufer.
Ein schlechter Läufer ist etwas schwächer als ein Springer, vor allem,
wenn der Springer eine zentrale Position einnimmt (z.B. wenn er einen
isolierten Bauern des Gegners blockiert).
Ein zentralisierter Springer ist einem aktiven Läufer gleichzusetzen.
Und schließlich darf man den subjektiven Faktor der Beurteilung nicht
außer acht lassen.
Sympathien für den Läufer oder Springer werden weitgehend von Stil und
Geschmack beeinflusst. So waren Steinitz und Tarrasch echte
"Läuferanhänger", während Tschigorin die Springer
bevorzugte und darauf sogar ganze Eröffnungssysteme aufbaute.
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